Diese Seite drucken

Die kleinen Dinge des Alltags

„Ich sammle, seit ich Hosentaschen habe.“  Aber er sammelt eben nicht nur. Er geht neugierig durch die Welt und schaut sich die Gegenstände an. Und hat dabei nicht nur einen Blick für die Schönheit der Objekte, sondern auch für ihre  Funktionalität. „Erst schön und richtig ist richtig schön“, so Franco Clivio, Gestalter und Dozent.

Es sind Alltagsgegenstände: Sie sind einfach da, sie werden benutzt. Dinge, die jeder von uns im Haus hat, aber selten wirklich anschaut: Hämmer, Scheren, Kleiderbügel, oder dieser Doppel-Karabinerhaken (rechts im Bild). Sie vereinen Funktionalität und Gestaltung in geradezu genialer Weise. Wie zum Beispiel die Fiskarschere, die x-mal kopiert wurde. Von „zu klein zu gross“ oder „nicht gleich aber ähnlich“ bis „gut aber nicht gut genug“ gibt es zahlreiche Kopien dieser Schere.

Oft dient die Natur als Vorbild, wie etwa bei der Entwicklung des Wellblechs, bei der die Jakobsmuschel Pate stand, oder bei der Spitze des japanischen Hochgeschwindigkeitszugs, die dem Eisvogel abgeschaut wurde, der problemlos von der Luft ins Wasser abtaucht.

 „No Name Design“, die Wunderkammer von Franco Clivio, ist eine Liebeserklärung an die unscheinbaren Dinge, die uns im Alltag begleiten und ihr Dasein meist im Schattender grossen Namen fristen, die selten im grellen Rampenlicht stehen und kaum je aufmerksame Blicke auf sich ziehen.

Die Ausstellung ist Hommage und zugleich Eldorado für Liebhaber von Trouvaillen und Fundstücken, die weder blenden noch verführen wollen, sondern einfach da sind und einen aufmerksamen Beobachter wie Franco Clivio brauchen. Rund 1000 zumeist kleine Gebrauchsobjekte sind in der Ausstellung versammelt.

Franco Clivio ist seit Jahrzehnten auch Sucher und Finder. Seine Leidenschaft gilt dem Banalen, dem scheinbar Ungestalteten. Er spürt die hohe gestalterische Qualität auf und sucht nach dem Ungewöhnlichen im Gewöhnlichen. Dazu durchstöbert er Brockenhäuser, Flohmärkte, Trödelläden oder auch Eisenwarenläden und Warenhäuser – immer von der Neugierde getrieben, nie von einem bestimmten Plan.

Entstanden ist ein grandioses Sammelsurium von anonym gestalteten Gegenständen, die, ins rechte Licht gerückt, plötzlich Qualitäten entfalten, die gemeinhin im Verborgenen schlummern. Die Ausstellung ist eine Art Wunderkammer mit enzyklopädischem Charakter und lehrreicher Auslegung.

Präsentiert werden rund 1‘000 zumeist kleine Objekte – beispielsweise Klappmesser, Lieblingsobjekte, Vielkönner, Greifwerkzeuge oder auch Weiterentwicklungen von alten Bekannten wie Scheren, Brillen oder Messinstrumenten. Gemeinsamer Nenner ist immer die raffinierte gestalterische Qualität, die weniger auf der guten Form denn vielmehr auf einer Besonderheit von Funktion, Material und Konstruktion beruht. In über 40 bewegten Fotosequenzen wird ausserdem veranschaulicht, wie die Gegenstände funktionieren.

Die Eidgenossenschaft ehrt Franco Clivio für seinen bedeutenden Beitrag zum Schweizer Design und sein Engagement als Entwerfer und Lehrer.

Autorin : Carmen Gasser, DAS GELBE HAUS FLIMS, www.dasgelbehausflims.ch, info(at)dasgelbehausflims.ch

 

Am kommenden Samstag, 1. April 2017, um 17.00 Uhr führt Franco Clivio ein letztes Mal im Gelben Haus durch seine spannende Ausstellung "No Name Design".


webdesign bucca