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Verbrennen Sie Ihre PowerPoint-Folien

Bild: Flipchart adeco

So empfiehlt es der Neurobiologe John Medina. Wie bitte? Sind die Hirnforscher denn nun vollkommen durchgeknallt, werden Sie nun vielleicht fragen. Keineswegs. Nur konsequent. Denn die Ergebnisse der Hirnforschung erfordern ein radikales Umdenken im Alltag.

Bisher dachten wir, die digitale Welt mache uns das Leben einfacher. Macht sie auch. Aber sie ignoriert auch, dass menschliche Wahrnehmung anders funktioniert, als Microsoft und Apple das gerne hätten. Wir sind halt keine Computer. Und wir lernen anders. Neurobiologen haben nämlich herausgefunden, dass unser Gehirn keine Datenverarbeitungsmaschine ist, wie wir das in Analogie zum Computer so gerne sehen. Unser Gehirn ist eher eine Erfahrungsverarbeitungsmaschine. Ständig und innerhalb weniger Sekundenbruchteile vergleicht es Wahrgenommenes mit bekannten Mustern. Das ist in ganzheitliches Erleben. Wir nehmen mit all unseren Sinnen wahr. Und da wir sinnliche Wahrnehmungen, also Bilder, Klänge, haptische Eindrücke, Geschmack, Gerüche, aber auch episodisches Erleben direkt an Bekanntes in unserem Gehirn ankoppeln können, werden diese Wahrnehmungen wesentlich leichter verarbeitet als abstrakte Information.

Sind gut aufbereitete Informationen am Bildschirm oder auf der Leinwand nicht auch sinnlich wahrnehmbar? Ja, aber. Unser Gehirn unterscheidet sehr wohl zwischen physisch wahrnehmbarer Umwelt und dem virtuellem Abbild und zum anderen sind die meisten Bildschirmpräsentationen mit abstrakter Information überladen. Da findet sich zu wenig, das wir direkt ankoppeln können. Räumlichkeit findet dort selten statt. Ganz im Gegensatz zu Filmsequenzen, die dazu noch das episodische Element enthalten.

Wir lernen vor allem durch Austausch mit unserer Umwelt. Darum können wir Autofahren oder irgendeine andere praktische Fähigkeit auch nicht im theoretischen Unterricht lernen, sondern nur durch das tatsächliche Tun. Kennen und Können sind zweierlei. Und genau deshalb müssen wir uns schon etwas einfallen lassen, wenn wir anderen etwas vermitteln wollen. Workshops mit Flipcharts und Moderationskarten sind ganzheitlich wahrnehmbar. Sie lassen sich von verschiedenen Seiten betrachten, befühlen und beim Blättern sogar hören. Vielleicht liegt hier auch das Geheimnis des Erfolgs der modernen Touchscreens, vom iPad bis zum Smartphone. Wir wollen Dinge halt gern „begreifen“:

  • Erzeugen Sie Bilder in den Köpfen von Menschen. Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Skizzieren Sie möglichst einfach. Benutzen Sie Flipchart, Tafel oder Pinnwand.
  • Erzählen Sie Geschichten. Damit erzeugen Sie nicht nur Bilder, sondern lassen im Kopf der Zuhörer einen Film abspielen. Das ist fast wie konkretes Erleben, man versetzt sich in die Szene, als würden man sie selbst erleben.
  • Arbeiten Sie mit Räumen, benutzen Sie die dritte Dimension. Es ist immer wieder faszinierend, wie gespannt zugehört wird, wenn Utensilien gezeigt werden. Dinge zum Anfassen ziehen Aufmerksamkeit an.
  • Nehmen Sie verschiedene Positionen im Raum ein, um etwa gegensätzliche Sichtweisen zu veranschaulichen.
  • Arbeiten Sie mit Bewegung. Entwickeln Sie eine Grafik am Flipchart, führen Sie Dinge praktisch vor. Vermeiden Sie aber monotones Auf- und Ablaufen.
  • Schaffen Sie Erlebensräume. Beteiligen Sie Ihre Zuhörer. Stellen Sie Fragen, fordern Sie Statements ein, lassen Sie die Menschen Dinge selbst tun. Eignes Erleben ist immer wirkungsvoller als das Reflektieren von Erlebnissen.
  • Fassen Sie sich kurz. Stellen Sie einen Gedankengang nicht länger als 10 Minuten dar, da die Konzentration von Menschen danach stark nachlässt. Wenn Sie mehr Zeit benötigen bringen Sie ein Beispiel oder stellen Sie eine Frage an die Zuhörer.

Das eine tun, das andere nicht lassen: FlipChart für das Erarbeiten, PowerPoint für das Visualieren. Machen Sie PowerPoint-Darstellungen so minimalistisch wie möglich und sparen Sie sich verspielte Animationen und andere Gimmicks. Professionalität zeichnet sich durch Einfachheit aus.

Der Autor: Dr. Constantin Sander,  www.mind-steps.de


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