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Assoziationen - Suchmaschinen der Kreativität

Edward de Bono

Mittels Assoziationen stellen wir Verbindungen innerhalb der „Datenbank“ unserer Wahrnehmungen her. Und zwar keine rationalen, logisch zwingenden, sondern Verbindungen, die nicht auf Wertung, sondern auf Vergleichen und Ähnlichkeiten beruhen. Damit können wir Erfahrungen aus ganz unterschiedlichen Bereichen miteinander abgleichen und unter Umständen übertragen.

„Wenn ich an eine Kuh denke, dann denke ich an Milch. Ist die Kuh lila, dann denke ich an Schokolade.
Und ist die Kuh ein Stier, dann denke ich an eine Wiese im Süden Englands, auf der ich staunend entdeckte, wie schnell meine Mutter rennen kann.“

Auf diese Weise stelle ich individuelle, nach aussen willkürlich erscheinende Verbindungen zwischen Informationen beziehungsweise Begriffen her. Spontane Verbindungen, die ohne jeglichen logischen Zusammenhang von mir in Verbindung gebracht werden. Assoziationen sind Verbindungen von Informationen, die weder zwingend noch logisch sind, aber irgendwo in unserer Erinnerung oder Erfahrung bereitstehen. Sie katalogisieren gewissermassen unsere Erfahrungen. Sie stammen aus unseren individuellen Erfahrungen oder unserem Erleben und sind daher meist für andere Menschen nicht nachvollziehbar. Sie sind chaotisch und trotzdem ein Ordnungssystem. Denken Sie nur an die Eselsbrücke …Umgangssprachlich als Querdenken bekannt, wird dieses wissenschaftlich als laterales Denken bezeichnet. Dieser Begriff stammt von dem 1933 auf Malta geborenen britischen Mediziner und Schriftsteller Edward de Bono, der als einer der führenden Experten für die Entwicklung der Kreativität und Kreativitätstechniken gilt. Das „laterale Denken“ ist der Schlüssel zur Kreativität und der Funktionsweise Ihrer „inneren Suchmaschine“.

Was müssen Sie nun tun, um ins Assoziieren zu kommen? Sehr einfach: nichts! Konzentrieren Sie sich einfach auf nichts – und schon sind Sie im Assoziations-Modus. Dieser ist unser Standard-Modus, und wir verlassen ihn nur, um uns auf etwas zu konzentrieren. In diesem Standard-Modus verarbeiten wir unsere äusseren und inneren Wahrnehmungen. Assoziationen stellen sich also fortwährend ein, solange wir sie nicht zurückdrängen, um uns ganz auf etwas zu konzentrieren. Wir können diese Assoziationen nicht lenken, aber wir können ihnen Themen und eine Richtung vorgeben. Damit arbeitet die Werbung. Sie sorgt dafür, dass der potenzielle Käufer das Produkt mit seinen Wünschen und Idealen, begehrenswerten Eigenschaften oder sozialem Status verbindet – also assoziiert. Produkte eines amerikanischen Tabakkonzerns sollen vorzugsweise von Cowboys geraucht werden, und ein französisches Auto zeichnet sich dadurch aus, dass man durch dessen geöffnete Schiebetüren eine Hängematte spannen kann – savoir vivre, ja, aber gewiss kein Kriterium beim Autokauf.

Diese Beispiele führen uns zu dem zweiten Faktor des assoziativen Denkens: dem Symbol. Symbole sind gewissermassen feste Verknüpfungen von Assoziationen, ganze Pakete, die wachgerufen werden, wenn wir dem Symbol begegnen. Symbolen begegnen Sie jeden Tag – und wenn es ein Firmenlogo ist. Ein bestimmtes Zeichen, eine bestimmte Farbe, eine eigene Typografie. Man spricht von Wiedererkennungswert, aber in Wirklichkeit geht es weit darüber hinaus. Bei der „Marke mit dem Stern“ weiss man nicht nur sofort, wer gemeint ist, sondern es meldet sich auch eine Menge an Assoziationen. Symbole dienen also dazu, schnell und übersichtlich auch sehr komplexe Inhalte wachzurufen, sie sind bequeme und funktionale Stellvertreter langgezogener und ermüdender Erläuterungen.

Der Autor: Wolfgang Traub, www.wolfgangtraub.de


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