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Gelassenheit siegt

Konflikte gehören – mehr oder weniger ausgeprägt – eben zum Arbeitsalltag. Doch auch wenn Konflikte völlig normal sind: Sie belasten die Beteiligten, stören Arbeitsabläufe und verursachen Kosten.Umso wichtiger ist es, die Angelegenheiten anzugehen, bei denen man etwas bewirken kann: die zwischenmenschlichen Konflikte nämlich. Diese rühren aus unterschiedlichen Einstellungen und Erwartungen, aus individuellen Bedürfnissen und Handlungsmustern und oft aus unüberlegtem Verhalten. Dabei wären sie oft im Vorhinein zu verhindern, würde man ein wenig mehr Gelassenheit an den Tag legen.

Als Führungskraft sollte man sich öfter einmal die tatsächliche (Un-)Wichtigkeit vieler Dinge bewusst machen. Selten sind Aufgaben so bedeutend, dass bei Fehlern gleich die ganze Firma ruiniert würde. Kontrolle sollte sich deshalb auf Arbeitsergebnisse beschränken. Vereinbarte Etappenziele verhindern dabei das Schlimmste, das ohnehin höchst selten eintritt. Vertrauen heisst nicht den Überblick verlieren, sondern weniger Einmischen in die Arbeit der Mitarbeiter und damit mehr leistungssteigernde Motivation. Nur mit Ruhe kann man sich und Mitarbeitern erlauben, alte Bahnen zu verlassen und kreativ die bestmögliche aller Lösungen zu finden. Das bedeutet: Geduld, Offenheit und Beherrschung, den anderen nicht unterbrechen und vor allem nicht direkt mit vorgefasster Meinung ins Gespräch gehen.

Gelassenheit heisst, nichts persönlich nehmen. Mitarbeiter, die kritisiert werden, tun gut daran, sich nicht gleich angegriffen zu fühlen. Besser als Ärger ist allemal eine gewisse Distanz zu Sache und Person. Höflich bleiben ist das Gebot der Stunde, sachlich reagieren und evtl. im Vorhinein entsprechende Antworten überlegen. Statt sich wiederholt über die ewig gleichen Macken des Vorgesetzten aufzuregen, kalkuliert man sein Verhalten besser ein und sichert sich beispielsweise schriftlich ab, führt Protokoll (zur Erinnerung an Aussagen), schlägt bei Ideenklau Ideen nur im Beisein anderer vor usw. Sich zu ärgern ist zwar in vielen Fällen verständlich, bringt aber in der Regel nichts.

Gelassenheit heisst auch, eigene Fehler zu erkennen. Gefällt es wohl anderen, wenn man selbst vergisst zu grüssen, in Besprechungen zu spät kommt oder das Wort an sich reisst, andere unterbricht, häufig herumjammert? Die Erkenntnis, dass keiner von uns fehlerfrei ist, verhilft zu freundlicher Gelassenheit und der Fähigkeit, Eigenarten bzw. schlechte Tage anderer einfach einmal kommentarlos zu billigen.

Gelassenheit bedeutet immer auch Toleranz und Akzeptanz. Voraussetzung ist genügend Selbstvertrauen, das andere Meinungen gelten und nicht rigide auf eigenen Methoden und Ideen pochen lässt. Kompromissfähig bleiben ist das A und O im Bemühen um einen friedlichen Arbeitsalltag unter Kollegen. Und auch hier gilt: Wut ist ein schlechter Ratgeber. Bevor man zornig das Vergehen eines Kollegen an die grosse Glocke hängt, sollte man lieber mit dem Betroffenen selbst reden.

Generell gilt sowohl für Führungskräfte als auch für Mitarbeiter: Um konfliktauslösendem Verhalten vorzubeugen, muss man sich und sein Verhaltensmuster kennen. Durch eine realistische Sichtweise auf (die Wichtigkeit von) Menschen und Situationen lässt sich eine gelassene Haltung erlangen, die hilft, den Arbeitsalltag weitgehend frei zu halten von unnötigen Querelen. Toleranz, Empathie, Vertrauen und Objektivität tun ihr Übriges dazu. Am meisten hilft aber wohl eine wesentliche Erkenntnis: Das Einzige, was man ändern kann, ist man selbst - die eigene Sichtweise, Aktionen und Reaktionen.

Autorin : Silke Mayer, Kommunikationstraining, Beratung und Projektmanagement


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