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Leichtgewicht auf Überholspur

Gerade mal 3 kg schwer war er, der Aluminium-Stuhl, der an der Landesausstellung 1939 in Zürich für die Sensation besorgt war. Standfest, stabil, stapelbar, leicht federnd, federleicht und wettertauglich, diese Eigenschaften zeichnen auch heute noch den legendären Stuhl aus. In Zusammenarbeit mit Hans Fischli, Hans Coray und der Metallwarenfabrik Blattmann entstand dieser revolutionäre Stuhl. Er erntete viel Beachtung, doch nach der Ausstellung mussten die Stühle für 5 Franken verhökert werden. In Amerika war es die Navy, welche die Firma emeco beauftragte, einen leichten, rostfreien Stuhl für ihre Unterseeboote zu entwickeln. Und wie die Geschichte so spielt  wird der Navy 1006 heute auch aus rezyklierten Coca-Cola PET-Flaschen gefertigt.

Aluminium ist ein langlebiges Material. Zwar ist der Energieaufwand zur Herstellung von Primäraluminium relativ hoch, doch einmal gewonnenes Aluminium kann in vollem Umfang und beliebig oft mit wenig Energie rezykliert werden. „Es ist ein Witz, mit dem langlebigen Material etwas Trendiges, Kurzlebiges zu machen“, befand Heinrich Gerhard, der Konstrukteur von RADAR. Diesem Grundsatz blieb er treu. Bei seinen Arbeiten mit Aluminium bestand für Gerhard nicht die Absicht, etwas Ausgefallenes zu gestalten, sondern die Notwendigkeit, für das angestrebte Produkt das bestmögliche Material einzusetzen. So gibt die spezielle Falttechnik einem gerade mal 1mm dicken Aluminiumblatt genügend Stabilität für ein ganzes Regal. Das Material sei nicht das Neue, sondern dessen Anwendung und Ausformung, hielt der Entwickler von RADAR fest. Ein Regalsystem solle ein System bleiben, das heisst, je nach Bedarf aus- und umbaubar, langlebig eben.

Die filigrane optische Präsenz, gepaart mit einer diskreten Eleganz überzeugte auch die Juroren. 1999 erhielt das Regalsystem „Tall“ die begehrte deutsche Auszeichnung „Roter Punkt“, den heutige Red Dot Award. Dem Wesen Heinz Gerhards entsprach es, ökonomisch und ökologisch zu denken, denn beide Aspekte zahlen sich auf die Länge aus. Er liess in der Region produzieren, um die Wege kurz zu halten. Die Qualität sei ebenfalls ausschlaggebend, meinte er 2001 in einem Interview mit der Zeitschrift „hochparterre“, denn bei Blechen aus Italien müsste man mit 20 Prozent Ausschuss rechnen. Der halbe Erfolg liege bei der Wahl des richtigen Zulieferanten.  Ökonomie auch beim Modell „Logo“, das Tischblatt wird nur mit Saugnäpfen befestigt und kann beidseitig gebraucht werden. Der Gartentisch „Atlas“ steht auch auf unebenen Flächen gerade, das flexible Gestell passt sich dem Boden an. Das Regal „Tall“ kann immer wieder den Bedürfnissen angepasst werden mit  sinnvollen Einbauelementen wie Zugböden, CD-Auszüge, Schubladen,  Klappfronten aus Alu oder Glas.

„Die RADAR-Möbel sind keine Hauptdarsteller, sondern dienstbare Geister für ein aufgeschlossenes Publikum, das Preis- und Qualitäts-bewusst einkauft“ fasste Gerhard seine Produktphilosophie zusammen. Daran hat sich auch nach dem frühen Tod von Heinrich Gerhard nichts geändert.

Quellen: wohnrevue 8/97, hochparterre 03/01

 


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